Kapitel 7. Aktualisieren von SUSE Linux Enterprise

Inhaltsverzeichnis

7.1. Terminologie
7.2. Neues Wartungsmodell
7.3. Vorbereitung
7.4. Aktualisierung mit YaST-Wagon
7.5. Aktualisierung mit zypper
7.6. Aktualisieren von SLE 10 SP4 auf SLE 11 SP2
7.7. Aktualisieren von SLE 11 SP1 auf SLE 11 SP2
7.8. Installieren von Service Packs
7.9. Atomic-Aktualisierung

Zusammenfassung

SUSE® Linux Enterprise (SLE) bietet die Möglichkeit, ein vorhandenes System ohne komplette Neuinstallation auf die neue Version zu aktualisieren. Es ist keine neue Installation erforderlich. Alte Daten, wie Home-Verzeichnisse und Systemkonfigurationen, bleiben erhalten. Während der Lebensdauer des Produkts können Sie Service Packs installieren, um die Systemsicherheit zu gewährleisten und Softwarefehler zu beheben. Führen Sie die Installation von einem lokalen CD- oder DVD-Laufwerk oder von einer zentralen Netzwerkinstallationsquelle durch.

[Note]Versionshinweise

Die aktuelle Version der Versionshinweise finden Sie unter http://www.suse.com/documentation/sles11/#additional.

7.1. Terminologie

In diesem Kapitel werden verschiedene Begriffe verwendet. Lesen Sie zum besseren Verständnis der Informationen die unten stehenden Definitionen.

Deltarpm

Ein deltarpm besteht nur aus der binären diff zwischen zwei definierten Versionen eines Pakets und hat daher die kleinste Downloadgröße.

Migration

Installation von einem Nicht-SUSE-Betriebssystem oder -Produkt in ein SUSE-Produkt, z. B. von Windows nach SUSE Linux Enterprise Server.

Patch

Ein Patch enthält mindestens ein Paket und kann per deltarpms angewendet werden. Unter Umständen werden auch Abhängigkeiten zu Paketen aufgebaut, die noch nicht installiert wurden.

Paket

Ein Paket ist eine komprimierte Datei im RPM-Format, die die Dateien für ein bestimmtes Programm enthält.

Service Packs (SP)

Kombiniert mehrere Patches zu einem Formular, das einfach zu installieren bzw. bereitzustellen ist. Service Packs sind nummeriert und enthalten üblicherweise Sicherheits-Fixes, Upgrades oder Programmerweiterungen.

Aktualisierung

Installation einer neueren Version eines Pakets oder einer Distribution.

Aufrüstung

Installation einer neueren (Haupt)-Version eines Pakets oder einer Distribution, die neue Funktionen enthält.

7.2. Neues Wartungsmodell

Das neue Wartungsmodell kombiniert Flexibilität und Kontrolle über Ihre Service Packs. Es bietet folgende Vorteile:

  • Service Packs sind weniger umfangreich und können einfacher getestet und implementiert werden.

  • Ermöglicht eine Beibehaltung älterer Versionen, jedoch mit Support für das gesamte System.

  • Reagiert zwischen Service Packs durch selektive Verbesserungen auf Marktanforderungen und ermöglicht mehr Aktualisierungen im allgemeinen Aktualisierungs-Repository. Durch Auswahl der Verbesserungen werden längere Abstände zwischen Service Packs weniger problematisch.

Abbildung 7.1, „Weiterentwicklung der Wartungsbereitstellung“ stellt einige der oben genannten Aspekte vor.

Abbildung 7.1. Weiterentwicklung der Wartungsbereitstellung

Weiterentwicklung der Wartungsbereitstellung

Unsere Produkte haben einen 10-jährigen Lebenszyklus: 7 Jahre allgemeiner Support und 3 Jahre erweiterter Support. Größere Versionen werden alle 4 Jahre und Service Packs alle 18 Monate veröffentlicht. Der langfristige Service Pack-Support (Long Term Service Pack Support) bietet ein erweitertes Fenster bzw. einen verlängerten Lebenszyklus für Hauptversionen Abbildung 7.2, „Langfristiger Service Pack-Support“).

Abbildung 7.2. Langfristiger Service Pack-Support

Langfristiger Service Pack-Support

Der langfristige Service Pack-Support muss explizit abonniert werden – entweder in der Standardversion oder in der Prioritätsversion. Er wirkt sich nicht auf die Bedingungen der L1- oder L2-Verträge aus. Sicherheitsaktualisierungen werden proaktiv behandelt: Dies sind alle nicht durch den Benutzer bedingten kritischen Sicherheitslücken, lokale Root Exploits im Kernel oder andere Root Exploits, die ohne Benutzerinteraktion direkt ausführbar sind.

Der Bereich für erweiterte Supportstufen beginnt in Jahr 8 und endet in Jahr 10. Sie umfassen fortlaufende L3-Diagnose auf technischer Ebene und rückwirkende Behebung kritischer Fehler. Diese Supportstufen führen proaktiv Updates für einfache lokale Root-Exploits in Kernel sowie für andere Root-Exploits durch, die direkt ohne Benutzerinteraktion ausgeführt werden können. Darüber hinaus werden vorhandene Workloads, Softwarestapel und Hardware mit einer limitierten Paketausschlussliste unterstützt. Einen Überblick finden Sie in Tabelle 7.1, „Sicherheitsupdates und Fehlerbehebungen“.

Tabelle 7.1. Sicherheitsupdates und Fehlerbehebungen

 

– Allgemeiner Support –

Erweiterter Support

Thema

Aktueller SP

SP (n-1) 6 Monate

SP (n-1) mit LTSS

Jahr 6 und 7 mit LTSS

Jahr 8, 9, 10 mit LTSS

L1/L2 Technische Services

Proaktive Wartung

 

 

Treiberaktualisierungen über PLDP

  

Proaktive Sicherheitsupdates

 

L3 Technischer Support

Backports verfügbar

 


7.3. Vorbereitung

Kopieren Sie die alten Konfigurationsdateien vor der Aktualisierung auf ein separates Medium (wie ein Bandlaufwerk, eine externe Festplatte usw.), um die Daten zu sichern. Dies gilt hauptsächlich für die in /etc gespeicherten Dateien sowie einige der Verzeichnisse und Dateien in /var und /opt. Zudem empfiehlt es sich, die Benutzerdaten in /home (den HOME-Verzeichnissen) auf ein Sicherungsmedium zu schreiben. Melden Sie sich zur Sicherung dieser Daten als root an. Nur der Benutzer root verfügt über die Leseberechtigung für alle lokalen Dateien.

Notieren Sie sich vor der Aktualisierung die Root-Partition. Mit dem Befehl df / können Sie den Gerätenamen der Root-Partition anzeigen. In Beispiel 7.1, „Über df -h angezeigte Liste“ ist /dev/sda3 die Root-Partition, die Sie sich notieren sollten (eingehängt als /).

Beispiel 7.1. Über df -h angezeigte Liste

Filesystem     Size  Used Avail Use% Mounted on
/dev/sda3       74G   22G   53G  29% /
tmpfs          506M     0  506M   0% /dev/shm
/dev/sda5      116G  5.8G  111G   5% /home
/dev/sda1       44G    4G   40G   9% /data

Software weist normalerweise von Version zu Version mehr Umfang auf. Folglich sollten Sie vor dem Aktualisieren mit df den verfügbaren Partitionsspeicher überprüfen. Wenn Sie befürchten, dass demnächst kein Speicherplatz mehr zur Verfügung steht, sichern Sie die Daten vor der Aktualisierung und partitionieren Sie Ihr System neu. Es gibt keine Faustregel hinsichtlich des Speicherplatzes einzelner Partitionen. Die Platzanforderungen hängen von Ihrem bestimmten Partitionsprofil und von der ausgewählten Software ab.

[Note]Anforderungen hinsichtlich der Systemversion

Die genauen Anforderungen hinsichtlich der Systemversion, von der Sie auf diese Version aktualisieren können, finden Sie in den Versionshinweisen zum jeweiligen Update. Dort finden Sie auch weitere Informationen zum Aktualisierungsverfahren.

[Note]Produktversion - Upgradeanforderung

Führen Sie das Upgrade von der letzten Version (z. B. SUSE Linux Enterprise 11 SP1) auf diese Version (SUSE Linux Enterprise 11 SP2) durch – einzelne Service Pack-Versionen dazwischen dürfen nicht ausgelassen werden. Das heißt, dass weder ein Upgrade von SUSE Linux Enterprise 10 SP3 oder einer früheren Version auf dieses Service Pack noch ein Upgrade von SUSE Linux Enterprise 11 GA auf SUSE Linux Enterprise 11 SP2 möglich ist. Stellen Sie vor Beginn des System-Upgrades sicher, dass alle verfügbaren Online-Aktualisierungen erfolgreich durchgeführt wurden.

7.4. Aktualisierung mit YaST-Wagon

YaST-Wagon ist die automatische YaST Online-Migrationsprozedur. Vergewissern Sie sich vor dem Starten von YaST-Wagon zur Aktualisierung auf die SP-Funktionsebene, dass die folgenden Voraussetzungen gegeben sind:

  • Das System muss während des gesamten Aktualisierungsvorgangs online sein, da dieser Vorgang den Zugriff auf das Novell Customer Center erfordert.

  • Wenn Ihr Setup Drittanbieter-Software oder Zusatzsoftware umfasst, sollten Sie dieses Verfahren auf einem anderen Rechner testen, um sicherzustellen, dass beim Update alle Abhängigkeiten erhalten bleiben.

  • Stellen Sie sicher, dass der gesamte Vorgang erfolgreich durchgeführt wird. Andernfalls wird das System inkonsistent.

[Note]

Bei der Upgrademigration mit Wagon, wird der Updatestapel aktualisiert. Sie sollten daher keine anderen Softwareverwaltungstools wie zypper oder Miniprogramme für die Desktopaktualisierung verwenden. Es wird empfohlen, Miniprogramme für die Desktopaktualisierung während der Migration zu stoppen.

  1. Wenn im Update-Repository der Migrations-Patch (Update stack update (Update-Stapel-Update)) verfügbar ist, starten Sie die Migrationsprozedur in der Kommandozeile als root mit wagon.

    [Note]Benachrichtigung über Migrations-Patch

    Wenn eine Migration verfügbar ist, wird auf dem GNOME-Desktop rechts unten eine Nachricht angezeigt. Klicken Sie in dieser Nachricht auf den Link, um die Migrationsprozedur zu starten.

  2. Bestätigen Sie den Willkommensdialog.

  3. wagon installiert zuerst den bereits ausgewählten Migrations-Patch (Update stack update (Update-Stapel-Update)), sofern dieser nicht bereits während der regulären YaST-Online-Updates installiert wurde. Der Patch enthält Aktualisierungen des Paketverwaltungsstapels und einen neuen Kernel, sofern dieser erforderlich ist. Das System muss daher neu gebootet werden.

    Weitere Informationen zu YOU finden Sie unter Kapitel 1, YaST-Online-Update (↑Verwaltungshandbuch).

  4. Starten Sie das System neu. wagon setzt anschließend die Migration mit der Aktualisierungsmodus fort. Ändern Sie die Vorauswahl der Customer Center-Einstellung nicht. Aktivieren Sie Automatische Repository-Änderungen überprüfen, wenn Sie später alle Repository-Konfigurationen für Drittanbieter prüfen möchten. Bestätigen Sie das Dialogfeld.

  5. Registrieren Sie den Migrationsstatus in der Konfiguration des Novell-Kundenzentrums und bestätigen Sie die aktualisierte Software-Repositorys (SLES11-SP1-Pool anstelle von SLES11-Updates).

  6. Wenn Sie Automatische Repository-Änderungen überprüfen aktiviert haben, wird nun das Menü Konfigurierte Software-Repositorys angezeigt.

  7. Das Dialogfeld Einstellungen für Distributionsaktualisierung ist das letzt Dialogfeld. Danach wird die eigentliche Migrationsprozedur durchgeführt. Überprüfen Sie alle Einstellungen sorgfältig. Nach der Bestätigung ist kein Rollback möglich.

    Die Paketinstallation und die Systemkonfiguration (SuSEconfig) werden automatisch ausgeführt. Es muss neu gebootet werden.

  8. Registrieren Sie die neue Version im Novell-Kundenzentrum. Bestätigen Sie noch einmal die aktualisierten Software-Repositorys, in denen jetzt die SLES11-SP1-Updates aktiviert sind.

  9. Bestätigen Sie zum Abschluss das Dialogfeld Migration abgeschlossen und booten Sie das System neu.

7.5. Aktualisierung mit zypper

Verwenden Sie zypper, wenn Sie für das Update eine skriptfähige Lösung benötigen.

Vergewissern Sie sich, dass alle Anforderungen wie in Abschnitt 7.4, „Aktualisierung mit YaST-Wagon“aufgeführt erfüllt sind, bevor Sie mithilfe von zypper das Online-Update initiieren, um auf die SP2-Funktionsebene aufzurücken.

Dies ist die mindestens erforderliche Kommandofolge, die zum Aufrüsten des Systems auf die Patchebene SP2 erforderlich ist:

  1. Aktualisieren Sie alle Dienste und Repositorys:

    zypper refresh -s
  2. Aktualisieren Sie die Patches, insbesondere den Paketverwaltungsstapel:

    zypper update -t patch
  3. Aktualisieren Sie die verbleibenden Patches mit dem eben aktualisierten Paketverwaltungsstapel:

    zypper update -t patch
  4. Lesen Sie die produktspezifischen Informationen zu den Aktualisierungen der Distribution in /etc/products.d/*.prod. Sie enthalten Informationen zu den Aktualisierungen der Distribution.

  5. Verwenden Sie die zuvor abgerufenen Namen, um die Informationen zur Produktmigration zu installieren, z. B.:

    grep '<product>' /etc/products.d/*.prod
    /etc/products.d/sle-sdk.prod:      <product>sle-sdk-SP2-migration</product>
    /etc/products.d/SLES.prod:         <product>SUSE_SLES-SP2-migration</product>
  6. Registrieren Sie die Produkte, um die Pool-Repositorys zu erhalten:

    suse_register -d 2 -L /root/.suse_register.log
    ...
    Execute command: /usr/bin/zypper ... modifyservice --ar-to-enable SMT-https_srv64_suse_de:SLES11-SP2-Pool SMT-https_srv64_suse_de
    Execute command exit(0):
    Execute command: /usr/bin/zypper ... modifyservice --ar-to-enable SMT-https_srv64_suse_de:SLE11-SDK-SP2-Pool SMT-https_srv64_suse_de
    Execute command exit(0):
  7. Aktualisieren Sie die Dienste und Repositorys:

    zypper refresh -s
  8. Deaktivieren Sie alle Repositorys des alten GA-Produkts und aktivieren Sie die neuen SP2-Pool-Repositorys. Für ISV gilt dasselbe für Zusatzprodukte. Alte Repositorys bleiben aktiviert, wenn für sie kein SP2-Upgrade vorhanden ist.

    Deaktivieren Sie Ihre Repositorys mit folgenden Kommandos:

    zypper services
    zypper modifyrepo --disable REPO_ALIAS

    Aktivieren Sie Repositorys mit folgenden Kommandos:

    zypper modifyrepo --enable REPO_ALIAS
  9. Führen Sie ein Upgrade der Distribution (dup) mit zypper durch:

    zypper dup
  10. Registrieren Sie das neue Produkt nach Abschluss der Migration erneut:

    suse_register -d 2 -L /root/.suse_register.log

    Dies sollte die Repositorys des alten GA-Updates entfernen und die neuen SP2-Update-Repositorys hinzufügen. Die SP1-Pool- und SP1-Update-Repositorys sollten davon nicht betroffen sein.

  11. Starten Sie Ihr System neu, um den SP2-Kernel auszuführen.

7.6. Aktualisieren von SLE 10 SP4 auf SLE 11 SP2

Befolgen Sie zur Aktualisierung von SUSE Linux Enterprise Server 10 SP4 auf SUSE Linux Enterprise Server 11 SP2 die in diesem Abschnitt aufgeführten Schritte. Informationen zum automatischen Upgrade von 10 SP4 auf 11 SP2 finden Sie unter Kapitel 22, Automatisches Upgrade von SUSE Linux Enterprise 11 SP1 auf 11 SP2 Stellen Sie zunächst sicher, dass das alte System auf das aktuellste Patch-Level aktualisiert wurde.

  1. Führen Sie die in Abschnitt 7.3, „Vorbereitung“ beschriebenen Vorbereitungen durch.

  2. Stellen Sie mit YaST (Abschnitt 7.4) oder zypper (Abschnitt 7.5) auf die SP-Funktionsebene um.

7.6.1. Potenzielle Probleme

Wenn Sie ein standardmäßiges System von der Vorgängerversion auf die aktuelle Version aktualisieren, ermittelt YaST die erforderlichen Änderungen und nimmt sie vor. Abhängig von den individuellen Anpassungen, die Sie vorgenommen haben, kommt es bei einigen Schritten der vollständigen Aktualisierung zu Problemen und Ihnen bleibt nur die Möglichkeit, Ihre Sicherungsdaten zurückzukopieren. Überprüfen Sie die folgenden Aspekte, bevor Sie das Systemupdate starten.

7.6.1.1. Überprüfen von „passwd“ und „group“ in „/etc“

Stellen Sie vor dem Aktualisieren des Systems sicher, dass /etc/passwd und /etc/group keine Syntaxfehler enthalten. Rufen Sie hierzu die Überprüfungs-Dienstprogramme pwck und grpck als root auf und beseitigen Sie sämtliche gemeldeten Fehler.

7.6.1.2. PostgreSQL

Führen Sie vor der Aktualisierung von PostgreSQL (postgres) den dump-Vorgang für die Datenbanken durch. Ziehen Sie die man-Seite zu pg_dump zurate. Dies ist nur erforderlich, wenn Sie PostgreSQL bereits vor der Aktualisierung verwendet haben.

7.7. Aktualisieren von SLE 11 SP1 auf SLE 11 SP2

Befolgen Sie zur Aktualisierung von SLE 11 SP1 auf SLE 11 SP2 die in diesem Abschnitt aufgeführten Schritte.

  1. Führen Sie die in Abschnitt 7.3, „Vorbereitung“ beschriebenen Vorbereitungen durch.

  2. Führen Sie die Novell Customer Center-Registrierung aus.

  3. Fügen Sie die SP2-Repositorys zum Client hinzu.

  4. Führen Sie yast2 online_update aus.

7.8. Installieren von Service Packs

Mit Service Packs können Sie eine SUSE Linux Enterprise-Installation aktualisieren. Es gibt verschiedene Methoden zur Anwendung von Service-Packs. Entweder Sie aktualisieren die vorhandene Installation oder Sie starten eine völlig neue Installation mit den Service Pack-Medien. Mögliche Szenarios zum Aktualisieren des Systems und zum Einrichten einer zentralen Netzwerkinstallationsquelle werden unter Abschnitt 14.2, „Einrichten des Servers, auf dem sich die Installationsquellen befinden“ beschrieben.

[Tip]Installationsänderungen

Lesen Sie die Installationsanweisungen auf den Service Pack-Medien durch, um weitere Informationen zu etwaigen Änderungen zu erhalten.

7.8.1. Installieren eines Service Packs

[Note]

Informationen zum Upgrade eines vorhandenen SUSE Linux Enterprise 11-Systems auf SUSE Linux Enterprise 11 Service Pack (SP) finden Sie unter Abschnitt 7.8.2, „Upgrade auf ein Service Pack“.

Das Installieren eines SUSE Linux Enterprise Service Packs funktioniert ähnlich wie die Installation der SUSE Linux Enterprise-Originalmedien. Wie bei der ursprünglichen Installation können Sie auswählen, ob Sie von einem lokalen DVD-Laufwerk installieren oder von einer zentralen Netzwerkinstallationsquelle.

7.8.1.1. Installieren von einem lokalen DVD-Laufwerk

Vor Beginn einer neuen Installation von SUSE Linux Enterprise SP müssen Sie sicherstellen, dass alle Service Pack-Installationsmedien (DVDs) verfügbar sind.

Prozedur 7.1. Booten vom Service Pack-Medium

  1. Legen Sie das erste SUSE Linux Enterprise SP-Medium ein und booten Sie Ihren Computer. Ein ähnlicher Startbildschirm wie bei der ursprünglichen Installation von SUSE Linux Enterprise 11 wird angezeigt.

  2. Wählen Sie Installation und fahren Sie dann gemäß den YaST-Installationsanweisungen in Kapitel 6, Installation mit YaST fort.

7.8.1.2. Netzwerkinstallation

Vergewissern Sie sich vor der Netzwerkinstallation eines SUSE Linux Enterprise-SP, dass die folgenden Voraussetzungen gegeben sind:

7.8.1.2.1. Netzwerkinstallation – von DVD booten

Gehen Sie zum Ausführen einer Netzwerkinstallation mit der SP-DVD als Bootdatenträger wie folgt vor:

  1. Legen Sie die SUSE Linux Enterprise SP-DVD 1 ein und booten Sie Ihren Computer. Ein ähnlicher Startbildschirm wie bei der ursprünglichen Installation von SUSE Linux Enterprise 11 wird angezeigt.

  2. Wählen Sie Installation, um den SP-Kernel zu booten, und drücken Sie dann die Taste F3, um den Typ der Netzwerkinstallationsquelle auszuwählen (FTP, HTTP, NFS oder SMB).

  3. Geben Sie die entsprechenden Pfadinformationen ein oder wählen Sie SLP als Installationsquelle.

  4. Wählen Sie den entsprechenden Installationsserver aus den angebotenen aus oder geben Sie den Typ der Installationsquelle und deren Standort bei der Aufforderung der Bootoptionen an, wie unter Abschnitt 6.1.2, „Installieren von einer Netzwerkquelle ohne SLP“ beschrieben. YaST wird gestartet.

    Schließen Sie die Installation ab, wie in Kapitel 6, Installation mit YaST beschrieben.

7.8.1.2.2. Netzwerkinstallation – PXE-Bootvorgang

Gehen Sie zum Ausführen einer Netzwerkinstallation eines SUSE Linux Enterprise-Service Pack über das Netzwerk wie folgt vor:

  1. Passen Sie den Setup Ihres DHCP-Servers an, um die für den PXE-Boot erforderlichen Adresseninformationen anzugeben, gemäß Abschnitt 14.3.5, „Vorbereiten des Zielsystems für PXE-Boot“.

  2. Richten Sie einen TFTP-Server ein, der das Boot-Image für den PXE-Boot beinhaltet.

    Verwenden Sie die erste CD oder DVD Ihres SUSE Linux Enterprise-Service Pack dafür oder folgen Sie den Anweisungen in Abschnitt 14.3.2, „Einrichten eines TFTP-Servers“.

  3. Bereiten Sie den PXE-Boot und Wake-on-LAN auf dem Zielcomputer vor.

  4. Starten Sie den Boot des Zielsystems und verwenden Sie VNC, um sich entfernt mit der auf diesem Computer ausgeführten Installationsroutine zu verbinden. Weitere Informationen finden Sie unter Abschnitt 14.5.1, „VNC-Installation“.

  5. Akzeptieren Sie die Lizenzvereinbarung und wählen Sie dann eine Sprache, ein Standard-Desktop und andere Installationseinstellungen.

  6. Klicken Sie auf Ja, installieren, um mit der Installation zu beginnen.

  7. Fahren Sie mit der Installation fort: Geben Sie ein Passwort für root ein, schließen Sie die Netzwerkkonfiguration ab, testen Sie die Internet-Verbindung, aktivieren Sie den Online Update Service, wählen Sie die Benutzerauthentifizierungsmethode und geben Sie einen Benutzernamen und ein Passwort ein.

    Detaillierte Anweisungen zur SUSE Linux Enterprise-Installation finden Sie hier: Kapitel 6, Installation mit YaST.

7.8.2. Upgrade auf ein Service Pack

Für das Upgrade des Systems auf die Funktionsebene eines Service Pack (SP) gibt es zwei bevorzugte Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit besteht darin, den Computer vom SP-Medium zu booten. Alternativ können Sie Wagon ausführen. Durch die Aktualisierung auf die neue Funktionsebene werden Zusatzfunktionen wie neue Treiber oder Softwareverbesserungen auf Ihrem System verfügbar.

Andere Methoden zur Aufrüstung bestehen beispielsweise in der manuellen Verwendung von zypper-Kommandos, in der Verwendung der Patch-CD bzw. in der Verwendung eines lokal installierten SMT-Systems.

[Note]

Auf System z-Systemen steht die Aktualisierungsoption mittels Patch-CD nicht zur Verfügung.

7.8.2.1. Booten vom SP-Medium

Booten Sie vom SP-Medium und wählen Sie Update als Installationsmodus in YaST.

7.9. Atomic-Aktualisierung

Die Atomic-Aktualisierung basiert auf Tools, die zwei Kopien des Systems verwalten und nach einem Aktualisierungsfehler eine einfache Wiederherstellung des Systems ermöglichen. Für die bereitgestellten Tools ist ein spezielles Festplattenpartitions-Setup erforderlich. Jede Kopie des Systems befindet sich auf einer eigenen primären Partition. Falls eine Aktualisierung fehlschlägt, können Sie jederzeit zum vorherigen Zustand des Systems auf der anderen Partition zurückwechseln.

7.9.1. Einrichtung

[Warning]Strenge Partitionierungsanforderungen

Die Implementierung stellt strenge Anforderungen an die Festplattenpartitionierung: Die erste Root-Partition lautet /dev/sda1; sie darf nicht mehr als die Hälfte der gesamten Festplatte belegen. Als zweite Root-Partition des Systems erstellt das Tool danach die Partition /dev/sda2. Weitere Partitionen, sofern erforderlich, werden von beiden Root-Partitionen gemeinsam verwendet – deren Größe muss berücksichtigt werden, d. h. die Größe der ersten Root-Partition muss entsprechend reduziert werden. Hier eine Berechnungsformel zur Grobabschätzung:

Die Größe der Festplatte minus der Größe von sda1 minus der Größe von sda2 ist der freie Speicher für zusätzliche Partitionen.

  1. Installieren Sie das System mit /dev/sda1 als einzige Root-Partition, wobei diese Partition weniger als die Hälfte der Gesamtfestplattengröße einnehmen darf.

  2. Passen Sie das installierte System nach Bedarf an. Vergewissern Sie sich, dass das Paket multi-update-tools installiert ist.

  3. Führen Sie multi-update-setup --partition aus. Dadurch wird die zweite Root-Partition des Systems (/dev/sda2) mit gleicher Größe erstellt.

  4. Partitionieren Sie den Rest der Festplatte nach Bedarf und fahren Sie mit den erforderlichen Anpassungen fort(*).

  5. Führen Sie multi-update-setup --clone aus, um das System auf die andere Partition zu kopieren. Mit diesem Kommando ändern Sie auch den Root-Eintrag (/) auf dem Zielsystem in /etc/fstab.

  6. Nehmen Sie bei Bedarf weitere Anpassungen vor(*).

  7. Führen Sie multi-update-setup --bootloader aus, um das Bootloader-Setup zu starten. Durch dieses Kommando wird dem Bootloader-Menü ein Eintrag zum Booten des anderen Systems hinzugefügt.

    [Warning]GRUB Bootloader (obligatorisch)

    Die Installation des GRUB Bootloader ist obligatorisch. Die Tools sind nicht mit anderen Bootloadern kompatibel.

  8. Wenn an den mit (*) gekennzeichneten Stellen keine Anpassungen vorgenommen werden müssen, führen Sie multi-update-setup --complete aus. Hierdurch werden alle drei Schritte durchgeführt.

7.9.2. Aktualisierung des anderen Systems

Führen Sie multi-update aus. Dieses Kommando führt zypper in einer chroot-Umgebung aus und aktualisiert – unabhängig davon, welches System aktiv ist – das jeweils andere System. Sein Bootmenü wird beim Booten als Standard angeboten.

7.9.3. Fehlersuche

Falls der Bootloader des aktualisierten Systems bei der Aktualisierung beschädigt wurde, müssen Sie das Active-Flag für die Root-Partition des anderen Systems setzen, um dieses System zu booten.

Lässt sich das aktualisierte System gar nicht booten, benötigen Sie Zugriff auf das Bootloader-Menü, um das andere System auswählen zu können.

Weitere Informationen zu GRUB finden Sie unter Kapitel 9, Der Bootloader GRUB (↑Verwaltungshandbuch).

7.9.4. Weiterführende Informationen

Weitere Informationen finden Sie in der Readme-Datei /usr/share/doc/packages/multi-update-tools/README des multi-update-tools-Pakets.