Kapitel 21. Automatisierte Installation

Inhaltsverzeichnis

21.1. Einfache Masseninstallation
21.2. Regelbasierte automatische Installation
21.3. Weiterführende Informationen

Mit AutoYaST können Sie SUSE® Linux Enterprise auf einer großen Anzahl von Rechnern gleichzeitig installieren. Die AutoYaST-Technologie bietet große Flexibilität zur Anpassung von Implementierungen für heterogene Hardware. In diesem Kapitel erfahren Sie, wie eine einfache automatisierte Installation vorbereitet wird und ein komplexeres Szenario mit unterschiedlichen Hardwaretypen und Installationszwecken gehandhabt wird.

21.1. Einfache Masseninstallation

[Important]Identische Hardware

Dieses Szenario setzt voraus, dass Sie SUSE Linux Enterprise auf einer Reihe von Computern mit genau derselben Hardware-Konfiguration installieren.

Zur Vorbereitung einer AutoYaST-Masseninstallation gehen Sie wie folgt vor:

  1. Erstellen Sie ein AutoYaST-Profil mit den erforderlichen Installationsdetails für Ihr Szenario, wie unter Abschnitt 21.1.1, „Erstellen von AutoYaST-Profilen“ beschrieben.

  2. Legen Sie die Quelle für das AutoYaST-Profil und den Parameter fest, der wie in Abschnitt 21.1.2, „Verteilen des Profils und Festlegen der autoyast-Parameter“ beschrieben an die Installationsroutinen weitergegeben wird.

  3. Bestimmen Sie die Quelle für die SUSE Linux Enterprise-Installationsdaten, wie unter Abschnitt 21.1.3, „Bereitstellung der Installationsdaten“ beschrieben..

  4. Richten Sie das Boot-Szenario für die automatische Installation, wie unter Abschnitt 21.1.4, „Einrichten des Boot-Szenarios“ beschrieben ein.

  5. Übergeben Sie die Kommandozeile an die Installationsroutinen, indem Sie die Parameter manuell hinzufügen oder eine info-Datei erstellen (siehe Abschnitt 21.1.5, „Erstellen der info-Datei“).

  6. Starten Sie die automatische Installation, wie unter Abschnitt 21.1.6, „Initialisierung und Überwachung der automatischen Installation“ beschrieben.

21.1.1. Erstellen von AutoYaST-Profilen

Ein AutoYaST-Profil weist AutoYaST an, was installiert und wie das installierte System konfiguriert werden soll, damit am Ende ein voll funktionsbereites System zur Verfügung steht. Ein solches Profil kann auf verschiedene Weisen erstellt werden:

  • Klonen einer frischen Installation von einem Referenzcomputer auf einer Reihe von identischen Computern

  • Erstellen und Ändern eines Profils nach Ihren Anforderungen mithilfe der AutoYaST-GUI

  • Verwendung eines XML-Editors zur Erstellung eines ganz neuen Profils

Gehen Sie wie folgt vor, um eine frische Referenzinstallation zu klonen:

  1. Führen Sie eine normale Installation aus.

  2. Nachdem Sie die Hardware-Konfiguration abgeschlossen und die Versionshinweise gelesen haben, aktivieren Sie die Option Dieses System für AutoYaST klonen, wenn sie noch nicht standardmäßig aktiviert ist. Dadurch wird ein einsatzbereites Profil namens /root/autoyast.xml erstellt, das zur Erstellung mehrerer Klone dieser speziellen Installation eingesetzt werden kann.

Gehen Sie wie folgt vor, um auf der GUI von AutoYaST aus einer bestehenden Systemkonfiguration ein Profil zu erstellen und nach Bedarf zu verändern:

  1. Starten Sie YaST als „root“.

  2. Wählen Sie Miscellaneous (Andere)+Autoinstallation, um die grafische AutoYaST-Bedienoberfläche zu starten.

  3. Wählen Sie Tools+Referenzprofil erstellen, um AutoYaST für die Spiegelung der aktuellen Systemkonfiguration in ein AutoYaST-Profil vorzubereiten.

  4. Zusätzlich zu den Standardressourcen (wie Bootloader, Partitionierung und Software-Auswahl) können Sie dem Profil zahlreiche andere Aspekte Ihres Systems hinzufügen, indem Sie die Elemente in der Liste Referenzkontrolldatei erstellen aktivieren.

  5. Klicken Sie auf Erstellen, damit YaST alle Systeminformationen sammelt und in ein neues Profil schreibt.

  6. Wählen Sie eine der folgenden Möglichkeiten, um fortzufahren:

    • Wenn das Profil abgeschlossen ist und Ihren Anforderungen entspricht, wählen Sie Datei+Speichern unter und geben Sie einen Dateinamen für das Profil ein, beispielsweise autoyast.xml.

    • Ändern Sie das Referenzprofil durch Auswahl der entsprechenden Konfigurationsaspekte (wie Hardware/Drucker) in der Baumansicht auf der linken Seite und klicken Sie dann auf Konfigurieren. Das entsprechende YaST-Modul wird gestartet, aber die Einstellungen werden nicht auf Ihr System angewendet, sondern in das AutoYaST-Profil geschrieben. Wählen Sie nach Abschluss dieses Vorgangs Datei+Speichern unter und geben Sie einen passenden Namen für das Profil ein.

  7. Schließen Sie das AutoYaST-Modul mit Datei+Beenden.

Abbildung 21.1. Bearbeiten eines AutoYaST-Profils mit dem Frontend für AutoYaST

Bearbeiten eines AutoYaST-Profils mit dem Frontend für AutoYaST

21.1.2. Verteilen des Profils und Festlegen der autoyast-Parameter

Sie haben mehrere Möglichkeiten, das AutoYaST-Profil zu verteilen. Je nachdem, welches Protokoll zur Verteilung der Profildaten eingesetzt wird, werden verschiedene AutoYaST-Parameter verwendet, um den Installationsroutinen auf dem Client den Profilspeicherort bekannt zu geben. Der Speicherort des Profils wird an die Installationsroutinen durch die Boot-Eingabeaufforderung oder eine info-Datei übergeben, die beim Booten geladen wird. Mit den zur Verfügung stehenden Optionen können Sie

Profilspeicherort

Parameter

Beschreibung

Datei

autoyast=file://pfad

Die Installationsroutinen suchen im angegebenen Pfad nach der Kontrolldatei (relativ zum Quell-Root-Verzeichnis – file:///autoyast.xml, wenn es sich im Root-Verzeichnis einer CD-ROM befindet).

Gerät

autoyast=device://pfad

Bewirkt, dass die Installationsroutinen auf einem Speichergerät nach der Kontrolldatei suchen. Es wird nur der Gerätename benötigt. /dev/sda1 ist falsch. Verwenden Sie stattdessen sda1.

Diskette

autoyast=floppy://pfad

Bewirkt, dass die Installationsroutinen auf einer Diskette im Diskettenlaufwerk nach der Kontrolldatei suchen. Diese Option ist besonders hilfreich, wenn Sie von einer CD-ROM booten möchten.

NFS

autoyast=nfs://server/pfad

Lässt die Installationsroutinen die Kontrolldatei von einem NFS-Server abrufen.

HTTP

autoyast=http://server/pfad

Lässt die Installationsroutinen die Kontrolldatei von einem HTTP-Server abrufen.

HTTPS

autoyast=https://server/pfad

Lässt die Installationsroutinen die Kontrolldatei von einem HTTPS-Server abrufen.

TFTP

autoyast=tftp://server/pfad

Lässt die Installationsroutinen die Kontrolldatei von einem TFTP-Server abrufen.

FTP

autoyast=ftp://server/pfad

Lässt die Installationsroutinen die Kontrolldatei von einem FTP-Server abrufen.

Ersetzen Sie die Platzhalter server und pfad durch die entsprechenden Werte für Ihre Konfiguration.

AutoYaST enthält eine Funktion, die eine Bindung bestimmter Profile an die MAC-Adresse des Clients ermöglicht. Dadurch können Sie verschiedene Instanzen derselben Konfiguration mit unterschiedlichen Profilen installieren, ohne den Parameter autoyast= zu ändern.

Gehen Sie hierfür wie folgt vor:

  1. Erstellen Sie separate Profile mit der MAC-Adresse des Clients als Dateiname und speichern Sie diese auf dem HTTP-Server mit Ihren AutoYaST-Profilen.

  2. Lassen Sie den exakten Pfad leer und geben Sie bei Erstellung des Parameters autoyast= den Dateinamen an. Zum Beispiel:

    autoyast=tftp://192.168.1.115/
  3. Starten Sie die automatische Installation.

YaST versucht, den Speicherort des Profils auf folgende Weise zu ermitteln:

  1. YaST sucht nach dem Profil mit seiner eigenen IP-Adresse in Hexadezimalzahlen mit Großbuchstaben. Beispiel: 192.0.2.91 ist C000025B.

  2. Wenn diese Datei nicht gefunden wird, entfernt YaST eine Hexadezimalstelle und versucht es erneut. Diese Aktion wird achtmal wiederholt, bis die Datei mit dem korrekten Namen gefunden wird.

  3. Wenn dies weiterhin fehlschlägt, wird versucht, eine Datei mit der MAC-Adresse des Clients als Dateinamen zu finden. Die MAC-Adresse des Beispiel-Client ist 0080C8F6484C.

  4. Wenn die mit der MAC-Adresse benannte Datei nicht gefunden wird, sucht YaST nach einer Datei namens default (in Kleinbuchstaben). Ein Beispiel für eine Folge von Adressen, in denen YaST nach dem AutoYaST-Profil sucht:

    C000025B 
    C000025 
    C00002 
    C0000 
    C000 
    C00 
    C0 
    C 
    0080C8F6484C 
    default
         

21.1.3. Bereitstellung der Installationsdaten

Die Installationsdaten können in Form von Produkt-CDs oder -DVDs oder über eine Netzwerkinstallationsquelle bereitgestellt werden. Wenn die Produkt-CDs als Installationsquelle verwendet werden, ist zur Installation ein physischer Zugriff auf den Client erforderlich, da der Boot-Vorgang manuell gestartet werden muss und die CDs gewechselt werden müssen.

Zur Bereitstellung der Installationsquellen über das Netzwerk müssen Sie einen Netzwerkinstallationsserver (HTTP, NFS, FTP) einrichten, wie unter Abschnitt 14.2.1, „Einrichten eines Installationsservers mithilfe von YaST“ beschrieben. Verwenden Sie eine info-Datei, um den Installationsroutinen den Standort des Servers bekannt zu geben.

21.1.4. Einrichten des Boot-Szenarios

Der Client kann auf verschiedene Weisen gebootet werden:

Network-Boot

Wie bei einer normalen entfernten Installation ist es möglich, die automatische Installation mit Wake-on-LAN und PXE zu initialisieren, das Boot-Image und die Kontrolldatei über TFTP abzurufen und die Installationsquellen von einem Netzwerkinstallationsserver zu laden.

Bootfähige CD-ROM

Sie können den SUSE Linux Enterprise-Originaldatenträger verwenden, um das System für die automatische Installation zu booten und die Kontrolldatei von einem Netzlaufwerk oder einer Diskette zu laden. Alternativ dazu können Sie auch eine eigene CD-ROM mit den Installationsquellen und dem AutoYaST-Profil erstellen.

In den folgenden Abschnitten werden die Verfahren für das Booten über das Netzwerk oder von der CD-ROM kurz umrissen.

21.1.4.1. Vorbereitung auf einen Netzwerk-Boot

Das Netzwerk-Booting mit Wake-on-LAN, PXE und TFTP wird in Abschnitt 14.1.3, „Installation auf entfernten Systemen über VNC – PXE-Boot und Wake-on-LAN“ beschrieben. Damit die dort vorgestellte Konfiguration für die automatische Installation eingesetzt werden kann, müssen Sie die angegebene PXE-Linux-Konfigurationsdatei (/srv/tftp/pxelinux.cfg/default) so ändern, dass der Parameter autoyast auf den Speicherort des AutoYaST-Profils verweist. Ein Beispiel für eine Standardinstallation sieht wie folgt aus:

default linux 

# default label linux 
    kernel linux
    append initrd=initrd install=http://192.168.1.115/install/suse-enterprise/ 
	  
	

Dasselbe Beispiel für die automatische Installation sieht wie folgt aus:

default linux 

# default label linux 
    kernel linux
    append initrd=initrd install=http://192.168.1.115/install/suse-enterprise/ \
           autoyast=nfs://192.168.1.110/profiles/autoyast.xml
	

Ersetzen Sie die Beispiel-IP-Adressen und -pfade durch die Daten aus Ihrer Konfiguration.

21.1.4.2. Vorbereitung auf das Booten von CD-ROM

In mehreren Situationen kann das Booten von CD-ROM in AutoYaST-Installationen wichtig werden. Folgende Szenarien stehen zur Auswahl:

Booten von SUSE Linux Enterprise-Datenträgern, Abrufen des Profils über das Netzwerk

Verwenden Sie diesen Ansatz, wenn ein vollständig netzwerkbasiertes Szenario nicht möglich ist (beispielsweise, wenn Ihre Hardware PXE nicht unterstützt) und Sie ausreichenden physischen Zugriff auf das zu installierende System haben.

Sie benötigen:

  • Die SUSE Linux Enterprise-Datenträger

  • Ein Netzwerkserver, der die Profildaten bereitstellt (Einzelheiten siehe Abschnitt 21.1.2, „Verteilen des Profils und Festlegen der autoyast-Parameter“)

  • Eine Diskette mit der info-Datei, die den Installationsroutinen den Speicherort des Profils angibt

    oder

    Zugriff auf die Boot-Eingabeaufforderung des zu installierenden Systems zur manuellen Eingabe des Parameters autoyast=

Booten und Installation von SUSE Linux Enterprise-Datenträgern, Abrufen des Profils von einer Diskette

Verwenden Sie diesen Ansatz, wenn ein vollständig netzwerkbasiertes Installationsszenario nicht möglich ist. Er erfordert den physischen Zugriff auf das zu installierende System zum Einschalten des Zielcomputers oder, wie im zweiten Fall, zur Eingabe des Speicherorts des Profils an der Boot-Eingabeaufforderung. In beiden Fällen müssen Sie je nach Umfang der Installation möglicherweise auch die Datenträger wechseln.

Sie benötigen:

  • Die SUSE Linux Enterprise-Datenträger

  • Eine Diskette mit dem Profil und der info-Datei

    oder

    Zugriff auf die Boot-Eingabeaufforderung des Ziels zur Eingabe des Parameters autoyast=

Booten und Installation von benutzerdefinierten Datenträgern, Abrufen des Profils von den Datenträgern

Wenn Sie nur eine beschränkte Anzahl von Softwarepaketen installieren müssen und die Anzahl der Ziele relativ gering ist, empfiehlt es sich möglicherweise, eine eigene benutzerdefinierte CD mit den Installationsdaten und dem Profil zu erstellen. Dies empfiehlt sich vor allem, wenn in Ihrer Konfiguration kein Netzwerk verfügbar ist.

21.1.5. Erstellen der info-Datei

Die Installationsroutinen auf dem Zielrechner müssen auf die vielen verschiedenen Komponenten des AutoYaST-Frameworks aufmerksam gemacht werden. Hierzu wird eine Kommandozeile erstellt, die alle Parameter enthält, die zum Auffinden der zur Steuerung des Installationsvorgangs benötigten AutoYaST-Komponenten erforderlich sind.

Sie können dies bewerkstelligen, indem Sie diese Parameter an der Boot-Eingabeaufforderung der Installation manuell eingeben oder indem Sie eine Datei namens info bereitstellen, die von den Installationsroutinen (linuxrc) gelesen wird. Ersteres erfordert den physischen Zugriff auf jeden zu installierenden Client, was diesen Ansatz für umfangreiche Implementierungen ungeeignet macht. Letzteres ermöglicht Ihnen die Bereitstellung der info-Datei auf einem Datenträger, der vorbereitet und vor der automatischen Installation in das entsprechende Laufwerk des Client eingelegt wird. Alternativ dazu können Sie auch einen PXE-Boot durchführen und die linuxrc-Parameter in die Datei pxelinux.cfg/default einfügen (siehe Abschnitt 21.1.4.1, „Vorbereitung auf einen Netzwerk-Boot“).

Die folgenden Parameter werden häufig für linuxrc verwendet. Weitere Informationen finden Sie in der Dokumentation zu AutoYaST unter /usr/share/doc/packages/autoyast.

[Important]Trennung von Parametern und Werten

Verwenden Sie bei der Übergabe von Parametern an linuxrc an der Boot-Eingabeaufforderung ein Gleichheitszeichen (=), um Parameter und Wert voneinander zu trennen. Bei Verwendung einer info-Datei müssen Parameter und Wert durch einen Doppelpunkt (:) getrennt sein.

Schlüsselwort

Wert

netdevice

Das Netzwerkgerät, das für die Netzwerkeinrichtung verwendet werden soll (für BOOTP/DHCP-Anforderungen). Nur erforderlich, wenn mehrere Netzwerkgeräte verfügbar sind.

hostip

Beim Fehlen einer Angabe sendet der Client eine BOOTP-Anforderung. Anderenfalls wird der Client mithilfe der angegebenen Daten konfiguriert.

netmask

Netzmaske für das ausgewählte Netzwerk.

Gateway

Standard-Gateway.

nameserver

Namenserver.

autoyast

Speicherort der Kontrolldatei, die für die automatische Installation verwendet wird, beispielsweise autoyast=nfs//192.168.1.110/profiles/.

install

Speicherort der Installationsquelle, beispielsweise install=nfs://192.168.1.110/CDs/.

vnc

Der Wert 1 aktiviert die ferngesteuerte VNC-Installation.

vncpassword

Das Passwort für VNC.

usessh

Der Wert 1 aktiviert die ferngesteuerte SSH-Installation.

Wenn Ihr Szenario für die automatische Installation eine Client-Konfiguration über DHCP und eine Netzwerkinstallationsquelle aufweist und Sie den Installationsvorgang mit VNC überwachen möchten, würde Ihre info-Datei wie folgt aussehen:

autoyast:profile_source install:install_source vnc:1 vncpassword:some_password

Wenn Sie eine statische Netzwerkkonfiguration bevorzugen, würde Ihre info-Datei wie folgt aussehen:

autoyast:profile_source \
install:install_source \ 
hostip:some_ip \ 
netmask:some_netmask \ 
gateway:some_gateway

Umgekehrte Schrägstriche (\) geben an, dass die Zeilenumbrüche nur zur Verbesserung der Lesbarkeit hinzugefügt wurden. Alle Optionen müssen als eine fortlaufende Zeichenkette eingegeben werden.

Die info-Daten können linuxrc auf verschiedene Weisen bereitgestellt werden:

  • Als Datei auf einer Diskette oder CD-ROM, die zum Installationszeitpunkt im Laufwerk des Clients eingelegt ist. Fügen Sie den info-Parameter ähnlich wie info=floppy:/info oder info=cd:/info hinzu.

  • Als Datei im root-Verzeichnis der Initial RAM-Disk, die zum Booten des Systems verwendet wird und entweder von einem benutzerdefinierten Installationsdatenträger oder von PXE-Boot stammt.

  • Als Teil des AutoYaST-Profils. In diesem Fall muss die AutoYaST-Datei info genannt werden, damit linuxrc sie analysieren kann. Ein Beispiel für diesen Ansatz sehen Sie unten.

  • Mithilfe einer URL, die zum Speicherort der Info-Datei weist. Die Syntax dazu sieht wie folgt aus: info=http://www.example.com/info.

linuxrc sucht im Profil nach einer Zeichenkette (start_linuxrc_conf), die den Anfang der Datei angibt. Wird diese gefunden, wird der Inhalt der Datei zwischen dieser Zeichenkette und der Zeichenkette end_linuxrc_conf analysiert. Die Optionen werden im Profil wie folgt gespeichert:

....
  <install>
....
    <init>
      <info_file>
<![CDATA[
#
# Don't remove the following line:
# start_linuxrc_conf
#
install: nfs:server/path
vnc: 1
vncpassword: test
autoyast: file:///info

# end_linuxrc_conf
# Do not remove the above comment
#
]]>

      </info_file>
    </init>
......
  </install>
....

linuxrc lädt das Profil mit den Boot-Parametern anstelle der herkömmlichen info-Datei. Der Parameter install: verweist auf den Speicherort der Installationsquellen. vnc und vncpassword geben die Verwendung von VNC für die Überwachung der Installation an. Der Parameter autoyast weist linuxrc an, die info-Datei als AutoYaST-Profil zu behandeln.

21.1.6. Initialisierung und Überwachung der automatischen Installation

Nachdem Sie die gesamte oben genannte Infrastruktur bereitgestellt haben (Profil, Installationsquelle und info-Datei), können Sie die automatische Installation starten. Je nach gewähltem Szenario für das Booten und Überwachen des Vorgangs kann eine physische Interaktion mit dem Client erforderlich sein:

  • Wenn das Client-System von physischen Datenträgern bootet (entweder von Produktdatenträgern oder benutzerdefinierten CDs), müssen Sie diese in das entsprechende Laufwerk des Client einlegen.

  • Wenn der Client nicht mittels Wake-on-LAN eingeschaltet wird, müssen Sie zumindest den Client-Computer einschalten.

  • Wenn Sie sich nicht für eine ferngesteuerte automatische Installation entschieden haben, werden die visuellen Rückmeldungen von AutoYaST an den angeschlossenen Bildschirm bzw. an eine serielle Konsole gesendet, falls der Client über keinen Bildschirm verfügt.

Zur Aktivierung einer ferngesteuerten automatischen Installation verwenden Sie die unter beschriebenen Abschnitt 21.1.5, „Erstellen der info-Datei“ VNC- oder SSH-Parameter und stellen Sie von einem anderen Computer aus eine Verbindung zum Client her (siehe Abschnitt 14.5, „Überwachen des Installationsvorgangs“).

21.2. Regelbasierte automatische Installation

In den folgenden Abschnitten werden die grundlegenden Konzepte der regelbasierten automatischen Installation mit AutoYaST vorgestellt. Anhand der Beispielszenarien können Sie eigene benutzerdefinierte Konfigurationen für die automatische Installation erstellen.

21.2.1. Informationen zur regelbasierten automatischen Installation

Die regelbasierte AutoYaST-Installation ermöglicht Ihnen den Einsatz heterogener Hardware-Umgebungen:

  • Gibt es an Ihrem Standort Hardware verschiedener Hersteller?

  • Weisen die Computer an Ihrem Standort eine unterschiedliche Hardware-Konfiguration auf (beispielsweise verschiedene Geräte oder Arbeitsspeicher- und Festplattengrößen)?

  • Beabsichtigen Sie eine Installation über verschiedene Domänen hinweg und müssen Sie zwischen diesen unterscheiden?

Das Ziel der regelbasierten automatischen Installation besteht im Grunde darin, ein benutzerdefiniertes Profil für ein heterogenes Szenario durch Zusammenführung verschiedener Profile zu erstellen. Jede Regel beschreibt hierbei ein bestimmtes Merkmal Ihrer Konfiguration (z. B. die Festplattengröße) und weist AutoYaST an, welches Profil verwendet werden soll, wenn die Regel übereinstimmt. Mehrere Regeln, die die verschiedenen Merkmale Ihrer Konfiguration beschreiben, werden in einer AutoYaST-Datei namens rules.xml zusammengefasst. Der Regelstapel wird dann verarbeitet und AutoYaST generiert das endgültige Profil durch Zusammenführen der verschiedenen Profile, die mit den AutoYaST-Regeln übereinstimmen. Eine Illustration dieses Vorgangs finden Sie unter Abschnitt 21.2.2, „Beispielszenario für die regelbasierte automatische Installation“.

Die regelbasierte AutoYaST-Installation bietet Ihnen große Flexibilität bei der Planung und Durchführung der SUSE Linux Enterprise-Implementierung. Sie haben folgende Möglichkeiten:

  • Regeln für die Übereinstimmung mit den vordefinierten Systemattributen in AutoYaST erstellen

  • Mehrere Systemattribute (wie die Festplattengröße und die Kernel-Architektur) mithilfe logischer Operatoren zu einer Regel zusammenfassen

  • Durch Ausführung von Shell-Skripten und die Übergabe des Ergebnisses an das AutoYaST-Framework benutzerdefinierte Regeln erstellen Die Anzahl der benutzerdefinierten Regeln ist auf fünf beschränkt.

[Note]

Weitere Informationen zur Erstellung und Verwendung von Regeln mit AutoYaST finden Sie in der Dokumentation zum Paket unter /usr/share/doc/packages/autoyast2/html/index.html im Kapitel Regeln und Klassen.

Zur Vorbereitung einer regelbasierten AutoYaST-Masseninstallation gehen Sie wie folgt vor:

  1. Erstellen Sie mehrere AutoYaST-Profile mit den erforderlichen Installationsdetails für Ihre heterogene Konfiguration, wie unter Abschnitt 21.1.1, „Erstellen von AutoYaST-Profilen“ beschrieben.

  2. Definieren Sie Regeln für die Übereinstimmung der Systemattribute Ihrer Hardware-Konfiguration (siehe Abschnitt 21.2.2, „Beispielszenario für die regelbasierte automatische Installation“).

  3. Legen Sie die Quelle für das AutoYaST-Profil und den Parameter fest, der wie in Abschnitt 21.1.2, „Verteilen des Profils und Festlegen der autoyast-Parameter“ beschrieben an die Installationsroutinen weitergegeben wird.

  4. Bestimmen Sie die Quelle für die SUSE Linux Enterprise-Installationsdaten, wie unter Abschnitt 21.1.3, „Bereitstellung der Installationsdaten“ beschrieben.

  5. Übergeben Sie die Kommandozeile an die Installationsroutinen, indem Sie die Parameter manuell hinzufügen oder eine info-Datei erstellen (siehe Abschnitt 21.1.5, „Erstellen der info-Datei“).

  6. Richten Sie das Boot-Szenario für die automatische Installation, wie unter Abschnitt 21.1.4, „Einrichten des Boot-Szenarios“ beschrieben ein.

  7. Starten Sie die automatische Installation, wie unter Abschnitt 21.1.6, „Initialisierung und Überwachung der automatischen Installation“ beschrieben.

21.2.2. Beispielszenario für die regelbasierte automatische Installation

Zur Erlangung eines Grundverständnisses der Vorgehensweise für die Erstellung von Regeln sollten Sie das folgende Beispiel beachten, das unter Abbildung 21.2, „AutoYaST-Regeln“ dargestellt ist. In einem AutoYaST-Durchlauf wird die folgende Konfiguration installiert:

Ein Druckserver

Dieser Computer erfordert nur eine minimale Installation ohne Desktop-Umgebung sowie einen eingeschränkten Satz von Softwarepaketen.

Arbeitsplatzrechner in der technischen Abteilung

Diese Computer benötigen eine Desktop-Umgebung und eine breite Palette von Entwicklungssoftware.

Laptops in der Verkaufsabteilung

Diese Computer benötigen eine Desktop-Umgebung und eine eingeschränkte Palette spezialisierter Anwendungen, wie Büro- und Terminverwaltungsprogramme.

Abbildung 21.2. AutoYaST-Regeln

AutoYaST-Regeln

Verwenden Sie in einem ersten Schritt eine der unter Abschnitt 21.1.1, „Erstellen von AutoYaST-Profilen“ beschriebenen Methoden, um Profile für jeden Anwendungsfall zu erstellen. In diesem Beispiel würden Sie die Profile print.xml, engineering.xml und sales.xml erstellen.

Im zweiten Schritt erstellen Sie Regeln für die Unterscheidung der drei Hardwaretypen sowie um AutoYaST anzuweisen, welches Profil verwendet werden soll. Verwenden Sie zur Erstellung der Regeln einen Algorithmus, der dem folgenden ähnelt:

  1. Hat der Computer die IP-Adresse 192.168.2.253? Dann mache ihn zum Druckserver.

  2. Verfügt der Computer über PCMCIA-Hardware und einen Intel-Chipsatz? Dann betrachte ihn als Intel-Laptop und installiere darauf die Software-Auswahl für die Verkaufsabteilung.

  3. Wenn keine dieser Bedingungen wahr ist, betrachte den Computer als Entwickler-Arbeitsplatzrechner und installiere ihn entsprechend.

Dies kann, grob umrissen, in eine Datei namens rules.xml mit folgendem Inhalt übersetzt werden:

<?xml version="1.0"?>
<!DOCTYPE autoinstall SYSTEM "/usr/share/autoinstall/dtd/rules.dtd"> 
<autoinstall xmlns="http://www.suse.com/1.0/yast2ns" xmlns:config="http://www.suse.com/1.0/configns">
  <rules config:type="list">
    <rule>
       <hostaddress>
	    <match>192.168.2.253</match>
            <match_type>exact</match_type>
       </hostaddress>
       <result>
            <profile>print.xml</profile>
            <continue config:type="boolean">false</continue>
        </result>
    </rule>
    <rule>
       <haspcmcia>
            <match>1</match>
            <match_type>exact</match_type>
       </haspcmcia>
       <custom1>
           <script>
if grep -i intel /proc/cpuinfo > /dev/null; then
echo -n "intel"
else
echo -n "non_intel"
fi;
           </script>
           <match>*</match>
           <match_type>exact</match_type>
       </custom1>
       <result>
            <profile>sales.xml</profile>
            <continue config:type="boolean">false</continue>
        </result>
        <operator>and</operator>
    </rule>
    <rule>
        <haspcmcia>
            <match>0</match>
            <match_type>exact</match_type>
        </haspcmcia>
 	<result>
            <profile>engineering.xml</profile>
            <continue config:type="boolean">false</continue>
        </result>
    </rule>
  </rules>
</autoinstall>

Stellen Sie bei der Verteilung der Regeldatei sicher, dass sich das Verzeichnis rules unterhalb des Verzeichnisses profiles befindet, das in der URL autoyast=protocol:serverip/profiles/ angegeben ist. AutoYaST sucht nach einem Unterverzeichnis namens rules, das eine Datei namens rules.xml enthält, lädt dann die in der Regeldatei angegebenen Profile und führt sie zusammen.

Der Rest des Verfahrens zur automatischen Installation wird wie üblich ausgeführt.

21.3. Weiterführende Informationen

Ausführlichere Informationen zur AutoYaST-Technologie finden Sie in der zusammen mit der Software installierten Dokumentation. Sie finden diese unter /usr/share/doc/packages/autoyast2. Die neueste Ausgabe dieser Dokumentation finden Sie unter http://www.suse.de/~ug/autoyast_doc/index.html.