Rückblick: Deutsch-französischer Motor für digitale Souveränität – vom politischen Signal zur industriellen Umsetzung

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Am 6. November 2025 haben SUSE und OVHcloud im Deutschen Bundestag zum parlamentarischen Frühstück eingeladen: „Deutsch-französischer Motor für die digitale Souveränität – Europa auf der Überholspur?“

Warum jetzt?

Tagesspiegel Berlin Circle © Laurin Schmid

Digitale Souveränität ist kein abstrakter Selbstzweck, sondern konkrete Grundvoraussetzung: Sie sichert unsere Wettbewerbsfähigkeit, sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz. Datenhoheit und eine weltweite Unabhängigkeit sind essentiell für die Souveränität Europas. In einem Markt, in dem rund 80 Prozent der europäischen Ausgaben für Cloud-Software und -Services an US-Anbieter fließen und extraterritoriale Zugriffsrechte bestehen, reichen EU-Hosting-Etiketten und Souveränitätswashing nicht aus. Wenig überraschend fordern daher bereits heute 70 Prozent der Befragten (State of Cybersecurity Report, HarfangLab), die Abhängigkeit von außereuropäischen Technologien zu verringern. Unser Ziel bei SUSE ist dabei nicht Autarkie, sondern Wahlfreiheit, Wechselfähigkeit und Interoperabilität – also die Fähigkeit, technologische Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen.

Die Lock-in-Einsicht nach der VMware-Übernahme hat uns verdeutlicht, wie teuer Abhängigkeiten werden können. Souveränität ist deshalb aktives Risikomanagement – und ein zukunftsweisendes Innovationsprogramm.

  1. Deutsch-Französischer-Motor: Von Leitfragen zu Leitplanken

    Der Motor läuft – wenn aus politischen Signalen umsetzbare Leitplanken entstehen, die offene Plattform-Prinzipien mit engagierter industrieller Reife verknüpfen. Es braucht gemeinsame Referenzarchitekturen sowie abgestimmte nachhaltige Beschaffungsregeln für offene, sichere und portierbare Lösungen.

  2. Investitionssignale

    Um Abhängigkeiten zukünftig zu überwinden, reicht es nicht, Hürden für außereuropäische Anbieter schlicht zu erhöhen. Vielmehr brauchen wir eine planungssichere gesamteuropäische IT-Industriepolitik und Programme, die steuerliche Anreize als Markttreiber setzen.

  3. Strategische Partnerschaften

    Als das größte unabhängige Open-Source-Unternehmen Europas adressieren wir bei SUSE bereits heute die Souveränitätsanforderungen in hochregulierten Bereichen, z.B. von öffentlichen Verwaltungen und kritischer Infrastruktur. Mit OVHcloud verbindet uns nun eine strategische Partnerschaft auf Augenhöhe: offene Technologien von SUSE treffen auf eine europäische Cloud mit eigener Wertschöpfungstiefe – vom Serverdesign bis zum Rechenzentrumsbetrieb. Unsere Initiative ist ein offenes Angebot an weitere europäische Unternehmen, sich anzuschließen.

Ausblick und weitere Informationen

Deutschland und Frankreich senden ein starkes Aufbruchsignal mit Leuchtturm-Charakter: Open Source wird als strategisches und wirtschaftliches Fundament einer souveränen europäischen Digitalarchitektur verankert. Entscheidend ist nun die konkrete Umsetzung

Mein besonderer Dank gilt Roland Theis (MdB) für die Schirmherrschaft sowie seiner Exzellenz François Delattre, Britta Behrendt (Bundeskanzleramt) und Andreas Grigull (OVHcloud) für die anregenden Impulse und konstruktive Gespräche.

Die heute erarbeiteten Gedanken nehmen wir mit – und blicken erwartungsvoll auf den deutsch-französischen Souveränitätsgipfel am 18.11. in Berlin. Lesen Sie in unserer ausführlichen Stellungnahme im gemeinsamen Positionspapier „Open Source – der Schlüssel für die digitale Souveränität Europas“.

 

 

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